
13. Juni 2026
Huhu, ich lebe noch! - oder: Wer ist eigentlich dieser GPSR?
Erstmal désolé, dass ich euch nun ein Jahr mit dem krassen Spannungsbogen meines letzten Blogbeitrags zurück gelassen habe. Es muss einfach unerträglich für euch gewesen sein…
Warum ich in dem vergangenen Jahr keine Zeit hatte, um einen neuen Beitrag zu verfassen will ich euch natürlich erzählen - in einem
anderen Blogbeitrag :-)
Wir sind ja zeitlich nun erstmal in 2023/2024 angekommen, und hier läuft es wie das Katzen machen - eins nach dem anderen. Also, ich greife den letzten Satz aus meinem letzten Blogbeitrag auf.
Ich zitiere: „Was ich da noch nicht wusste: Ein ganz anderes Thema würde demnächst bei mir ebenfalls Wellen schlagen…“
Dieses Thema, bzw. Themen waren rein bürokratischer Natur und daher so gar nicht wertschöpfend für mich und meine Kreativität.
Da durch meine „Hüttchen-Hauruck-Aktion“ nicht wirklich viel Zeit blieb, ein wenig die Rahmenbedingungen zu recherchieren, und ich ehrlicherweise auch dachte: „Ich als Kleinunternehmer mit selbstgemachten Sachen, die ich zudem noch auf meinem eigenen Grundstück verkaufe, bin doch in einem komplett rechtsfreien Raum unterwegs. Oder? Oder nicht? Doch, oder?
Ne, nicht wirklich. Ich stieß dann auf Sachen wie „Verpackungslizenz“, „Duales System“, „Herstellerkennzeichnung“ „Warnhinweise für Kerzen“, „Berufsgenossenschaft“, „Kammerpflicht“und noch viel mehr.
Und wer zum Teufel ist denn GPSR und was will der von mir?
Ich dachte, Gewerbe anmelden und herausfinden, ob ich auf meinem Grundstück ein Gewerbe betreiben darf war schon die komplette Palette an Bürokratie die ich stemmen musste. Weit gefehlt Freunde!
Also setzte ich mich hin, entwarf Aufkleber für meine Kerzen mit Warnhinweisen und Piktogrammen, Aufkleber mit meiner Herstellerkennzeichnung, meldete mich beim dualen System an und kaufte eine Verpackungslizenz. Damit war der Drops aber noch lange nicht gelutscht. Das sollte ich aber erst später erfahren.
Das Schränkchen lief derweil bombastisch, es kamen viele Kunden vorbei, es wurde viel bestellt, ich hatte gut zu tun und war rundherum glücklich!!!
Eines trüben verregneten Tages im November kam mir der seltsame Begriff GPSR unter, und das diese bis Mitte Dezember umgesetzt werden muss. Ich schickte eine Arbeitsanweisung an die Rechercheabteilung - also mich - raus…
Kurze Erklärung für Newbies: Die General Produkt Safty Regulation - kurz GPSR - ist die „europäische Produktsicherheitsverordnung. Sie regelt verbindlich, dass alle in der EU verkauften Nonfood-Verbraucher-Produkte sicher sein müssen, und verpflichtet Hersteller, Importeure und Händler zu strengen Kennzeichnungs- Informations- und Rückverfolgbarkeitspflichten.“ Zitat Ende!
So, und nun???
Kurz zusammengefasst, damit ihr nicht gelangweilt seid: Ich musste also für jedes Produkt, dass ich raus ins Hüttchen stellen wollte eine Risiokoanalyse erstellen. Eine Anleitung oder Vorlage, wie sowas aussieht und wie man es umsetzt habe ich vergeblich gesucht.
Mit ChatGPT und meiner Insta-Freundin aka Sister in Pain - Standleitung war ausgeworfen, Dosentelefon - ging’s also ran ans Werk.
Kann man sich an Holz verletzen - Ja!
Kann man sich an Papier schneiden - Ja!
Kann man sterben, wenn man sich die Schnur um den Hals wickelt - Durchaus!
Kann man einem allergischen Trockenblumen-Schock erliegen - Auch das ist denkbar!
Wenn das Gegossene runterfällt, es kaputt geht und man dann ein Stück davon nascht, kann man dann daran ersticken - wenn man sich Mühe gibt, sicherlich. Zumindest schadet es den Zähnen!
Und so könnt ihr euch vorstellen, da ich all diese versteckten Gefahren nun aufgelistet vor mir in den dutzenden Risikoanalysen schwarz auf weiß sah, dass ich kurz daran dachte, dass ich meine sehr sehr lebensgefährlichen Produkte doch niemals mit gutem Gewissen weiter verkaufen könnte.
Der kurze Moment war dann aber schnell vorbei und so erstellte ich für die Produkte passende und GPSR-konforme Aufkleber, damit ihr meine Artikel unversehrt überleben konntet. Wer nicht ganz so gute Augen hat, und deswegen die Warnhinweise nicht lesen kann, dem rate ich dringend von einem Kauf ab :-)
Da nun diese Hürde auch wieder erfolgreich gemeistert war lehnte ich mich entspannt zurück…
Bis dann das deutscheste Wort, was ich jemals gehört hatte vor mir auftauchte. Damit ihr es auch aussprechen könnt, hilft es am Anfang, die Silben zu klatschen - kennt ihr doch alle noch, oder?
Wir machen es zusammen - Achtung es geht los: LE - BENS -MIT -TEL - BE -DARFS - GE -GEN -STÄN - DE - VER - ORD - NUNG
Und jetzt alle: LEBENSMITTELBEDARFSGEGENSTÄNDEVERORDNUNG
So, den Brecher musste ich erstmal schlucken! Wollt ihr eine Definition? Ach komm ne, googelt doch selber… nein Spaß :-)
Es geht grob gesagt darum, dass ich mich bei einer Behörde melden muss, wenn ich Artikel in Umlauf bringe, die in irgendeiner Form mit Lebensmitteln in Kontakt kommen könnten.
Löffel - check
Tassen - check
Servietten - check
Brettchen - check
Strohalme - check
Also wollte ich dies, wie es sich gehört, der zuständigen Behörde melden - nur welche war das? Das wusste in den Behörden leider auch keiner so genau. Nach vielen Telefonaten, unbeantworteten E-Mails und vielem Haare raufen hatte ich in einer Behörde endlich einen Ansprechpartner gefunden, dem ich nun endlich meine - Achtung - Lebensmittelbedarfsgegenständeverodnungs-Meldung schicken konnte.
Das alleine diese Meldung nicht reicht war euch bestimmt schon klar. Es wäre ja auch zu einfach gewesen, wenn nach drei Monaten Recherche und Suche die Lebensmittelbedarfsgegenständeverodnung schon mit mir fertig gewesen wäre.
Zusätzlich wurde es nun zu meiner Pflicht, für jeden einzelnen Lebensmittelbedarfsgegenstand eine schriftliche Konformitätserklärung beim Hersteller anzufordern, damit ich beweisen kann, dass die von mir verwendeten Produkte allen EU-Vorgaben entsprechen.
Aus und vorbei mit Spontankäufen im Dekoladen - ab sofort konnte ich meine Lebensmittelbedarfsgegenstände - ihr merkt schon, dass ich das Wort liebe? - nur noch beim Großhändler kaufen, da das Herausgeben von Konformitätserklärungen nur im B2B-Bereich verpflichtend ist.
Soviel zu den bürokratischen Tänzchen, die mir das Jahr 2023/2024 versüßt haben. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich natürlich nicht, dass mir das Jahr 2025 und 2026 noch weitere bürokratische Leckerlis zuwerfen würde.
Aber dazu wann anders mehr…

In meinem nächsten Blogbeitrag bringe ich wieder etwas mehr Leichtigkeit rein und habe eine tolle Neuigkeit, die mich sehr gefreut hat.
Bis dahin - Tschüssikowski
